Berner aufgehellt intensiv
Berner aufgehellt intensiv

Kurzinfo zum Berner

Der Berner Kanarienvogel ist eine aufrechtstehende große Positurkanarienrasse aus der Schweiz. Sie ist in allen Farben – außer in Rot – zugelassen.

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte des Berner

Wie viele Kanarienrassen ist auch der Berner nach seinem Entstehungsort „Bern“ benannt worden. Bereits um 1880 soll er in der Schweiz in der Gegend um Steffisburg/Bern als Stubenvogel gehalten worden sein. Seine genaue Entstehungsgeschichte lässt sich heute, trotz seines noch recht jungen Alters, leider nicht mehr genau feststellen. Man geht davon aus, dass er ursprünglich aus kräftigen „Landkanarien“ und den seinerzeit sehr beliebten „Frisé-Kanarien“ entstanden ist. Andere Quellen berichten davon, er sei aus Harzer Rollern entstanden. Mit Sicherheit lässt sich allerdings heute sagen, dass mit den Jahren in den bereits vom Typ her „gefestigten“ Berner, Yorkshire-Kanarien alten Typs eingekreuzt wurden, um die Haltung zu verbessern.

So soll bereits 1908 ein Besenbinder aus einem nahe gelegenen Dorf Kanarienvögel zu einer Ausstellung in Bern gebracht haben, die sogleich wegen ihrer Größe und ihrer „strammen“ Haltung Aufmerksamkeit erregten. Schon im Jahre 1910 versammelte man sich, um eine erste Standardzeichnung und eine Standardbeschreibung für diese neue Rase zu beschließen. Vielfach wurde in dieser Zeit der Berner auch als „Goldkanarie“ bezeichnet, was darauf hindeutet, dass damals der aufgehellte, gelb intensive Vogel dem Ideal des Berner entsprach.

Standardzeichnung des Berner um 1930
Standardzeichnung des Berner um 1930

Lange Zeit hatte der Berner nur lokale Bedeutung und war in Europa wenig bekannt. Erst die permanente Vorstellung auf Weltschauen Mitte des vorigen Jahrhunderts erbrachte ihm 1961 die internationale Anerkennung als eigenständige Rasse. So gelangten Anfang der Siebziger Jahre erste Exemplare zu einigen wenigen Züchtern nach Deutschland. Inzwischen ist der Berner auf allen größeren nationalen und internationalen Vogelschauen zu sehen.

Am 04.11.2018 wurde der Internationale Bernerclub in Kassel / Baunatal gegründet.

Beschreibung und Merkmale der Rasse

Der Berner gehört zu den großen, glatt befiederten Positurkanarienrassen und ist in allen Kanarienfarben – außer den rotgrundigen – einschließlich der Schecken zugelassen. Obwohl seine Anleihen beim Yorkshire auf den ersten Blick zu erkennen sind, weist der Berner selbstverständlich gut erkennbare eigenständige Rassemerkmale auf.

Auffallend ist insbesondere seine aufrechte, forsche, gar steile Haltung, bei einer Idealgröße von 16 cm. Die Form weicht stark vom heutigen Yorkshire ab und erinnert nur noch entfernt an den alten Yorkshire-Typ.

Der Kopf ist kurz, breit, eckig, gedrungen und auf der Oberseite abgeflacht. Die Stirn ist gewölbt, tritt deutlich hervor und ist markant erkennbar. Der Hinterkopf geht weit zurück und geht fließend in leichtem Bogen in den Nacken über. Der Hals ist mäßig lang und gut vom Körper abgesetzt.

Der Körper soll harmonisch, mit voller Brust, erkennbaren Schultern und langem Rücken sein. Wie beim Yorkshire verjüngt sich der Körper zum Schwanz hin.

Berner Dominantweiß
Berner Dominantweiß
Die Merkmale des Berner
Die Merkmale des Berner

Die Flügel sind lang, geschlossen und kreuzen sich nicht. Der Schwanz ist lang, schmal und nur leicht eingekerbt. Er bildet mit der Rückenpartie eine gerade Linie.

Die Beine sind ziemlich lang, kräftig und werden leicht angewinkelt. Die glatt befiederten Schenkel sind bis ca. zur Hälfte sichtbar.

Das feine und dichte Gefieder soll möglichst glatt anliegen.

Weitere Erläuterungen finden Sie im aktuellen Standard für Positurkanarien.

Der Berner auf Ausstellungen

Nachdem sich der Berner den Sommer über in einer geräumigen Flugvoliere vollständig entwickeln konnte und die Mauser gut überstanden hat, sollte man ihn frühzeitig vor dem ersten Schautermin einzeln in eine Zuchtbox verbringen.

Beschädigtes Großgefieder kann zu diesem Zeitpunkt noch problemlos entfernt werden. Es wird bis zur ersten Vogelschau wieder nachgewachsen sein. Auch können verlorene Deckfedern in Ruhe nachwachsen. Weiterhin sollte jeder Vogel zu diesem Zeitpunkt auch auf etwaigen Federling-bzw. Milbenbefall untersucht werden.

Bei guter Käfiggewöhnung präsentiert sich der Berner auch ohne besonderes Schautraining hervorragend im für ihn vorgesehenen Kuppelkäfig.

Hierbei ist der intensive Berner der geeignetere Schauvogel, da dieser die rassetypischen Merkmale durch das kürzere Gefieder besonders gut zeigt. Zum einen zeigen intensive Vögel besser die gewünschte kantige Kopfform, aber auch zum anderen die sichtbaren Schultern durch aus dem Deckgefieder heraustretende Flügelbüge. Dennoch kann auch unter den nichtintensiven Vögeln ein guter Rassevertreter der Berner sein – dies wird allerdings die Ausnahme bleiben.

Berner aufgehellt nichtintensiv
Berner aufgehellt nichtintensiv

Haltung und Zucht

Wenn die Zuchtpaare harmonieren, ist der Berner in der Zucht ein problemloser Vogel, der durchaus für Neueinsteiger in die Kanarienzucht geeignet ist. Idealerweise wird der Berner in Paarhecke gezüchtet.

Ohne größere Schwierigkeiten werden die Jungvögel von den Elterntieren großgezogen. Die in älterer Literatur beschriebenen Schwierigkeiten in Bezug auf das Brutverhalten der Berner wurde uns nach Rücksprache mit erfahrenen Züchtern dieser Rasse nicht bestätig. Wahrscheinlich beruht auf diesen haltlosen Behauptungen auch das manchmal verbreitete Negativimage dieser schönen Positurkanarienrasse.

Es ist leider immer noch recht schwierig, Zuchttiere mit ausreichend ausgeprägten Rasseeigenschaften zu erwerben. Besitzt man jedoch erst einmal Vögel mit den benötigten Rassemerkmalen, gelingt die Zucht guter Rassevertreter auch dem Anfänger.

In Bezug auf die gewünschte Gefiederqualität sollten stets intensive Vögel mit nichtintensiven Vögeln verpaart werden. Auch ist auf die gewünschte Kopfform besonderes Augenmerk zu legen.

Text: Thomas Müller und Uwe Feiter. Aktualisiert von Norbert Schramm

Fachgruppe im DKB

Für den Berner ist im Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund e.V. die Fachgruppe der Farben- und Positurkanarien zuständig.

Auch der Internationale Bernerclub betreut die Züchter dieser Rasse.

Im Bereich der Sachkunde findet man Erstinformationen zur Kanarienhaltung.

Fragen zum Berner

Wir haben auf dieser Seite das Wichtigste zum Berner Kanarienvogel aufgeführt.
Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie uns gern.

Quellen und Literatur

A. H. Aschenbrenner: Der Farben- und Gestalts-Kanarienvogel. Creutzsche Verlagsbuchhandlung, Magdeburg.

H. Claßen, H., Kolter, W.: Die Positurkanarien. Eigenverlag Rheinmünster, 2005.

T. Müller, U. Feiter: Faszination Positurkanarien – eine Leidenschaft für`s Leben. Palm Druck & Verlag, Baesweiler, 2013.

N. Schramm: Kompendium-Kanarien, Band 3, Positurkanarien aus aller Welt. Books on Demand, Norderstedt, 2022.

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