Crested Melanin nichtintensiv
Crested Melanin nichtintensiv

Kurzinfo zum Crest

Der Crest ist eine große englische Positurkanarienrasse mit einer üppigen Kopfhaube. Die Vögel mit Haube werden Crested, die Glattkopfpartner Crestbred genannt.

Inhaltsverzeichnis

Historie des Crest

Die Entwicklungsgeschichte des Crest und des Norwich sind in unmittelbaren Zusammenhang zusehen, denn lange Zeit waren die heute getrennten Rassen miteinander verknüpft. Allerdings liefen in der Entstehungszeit dieser Rassen die Züchtungen der verschiedenen Züchter weit auseinander, und es existierten Mitte des 18. Jahrhunderts gar zwei Rasseausprägungen: der Norwich-Plainhead und der Crested-Norwich.

Hauben-Norwich
Die Hauben-Norwich aus dem Jahr 1887 sind noch sehr schlank.
Die Körper der Crested im Jahr 1911 sind schon deutlich gerundet.
Die Körper der Crested im Jahr 1911 sind schon deutlich gerundet.

Die zu dieser Zeit seitens der Norwich-Züchter favorisierten Bemühungen in Bezug auf Verbesserungen der Gefiederqualität und der Gefiederfarbe waren allerdings den Liebhabern der gehäubten Norwich nicht sonderlich dienlich. Vögel mit feiner schmaler Feder konnten einfach keine guten Hauben zeigen. Daher begann man um 1870 damit Lancashire Coppy in die Crested-Norwich einzukreuzen, um die Haubenqualität erheblich zu verbessern.

Die hierdurch entstandenen Vögel unterschieden sich deutlich von den Norwich-Plainhead und man entfernte sich radikal von den Rasseidealen des doch eher rundlichen Norwich. Die ersten Vögel dieser neuen Crest (übersetzt „KRONE“ oder “HAUBE“) wurden in England 1879 auf der Nottingham-Show erstmals ausgestellt; allerdings wurden diese von den Preisrichtern als „Kreuzungsprodukt“ zurückgewiesen. Trotzdem hielten die Züchter an ihrer Neuentwicklung fest und bekundeten nachhaltig ihren Willen an der Entwicklung der neuen Zuchtrichtung zu arbeiten. Es dauerte nicht lange bis eine größere Anzahl dieses neuen Crested-Norwich auf weiteren Schauen gezeigt wurde und man ließ bei der Nennung diese neuen Zuchtrichtung alsbald den Namenszusatz „Norwich“ fallen und man sprach nur noch vom „CRESTED“.

Letztendlich trennten sich die Wege beider Rasseentwicklungen dann endgültig im Jahre 1890. Bei einem Treffen von ca. 400 Norwich-Züchtern im Crystal-Palace wurde ein Standard für die Norwich festgelegt. Ab nun sollte der Typ vor der Farbausprägung und allen anderen Merkmalen rangieren.

Auf Seiten der Crest-Züchter fand man sich zusammen, um einen eigenständiger Crested Canary Club zu gründen. Unter Berücksichtigung der Ereignisse um beide Rassen im Zeitraum zwischen 1870 und 1890 muss man das Entstehungsjahr des heutigen Crest in diesen Zeitraum legen.

Recht schnell gewann der Crest an Popularität. Leider wurden nach der Jahrhundertwende horrende Summen für gute Rassevertreter bezahlt und es war dem durchschnittlich verdienenden Arbeiter nicht mehr möglich, an einigermaßen gute Crest zu gelangen. Eine Tatsache, die dem englischen Züchter C. A. House 1923 die Aussage entlockte, dass die Crest-Zucht ein Hobby reicher Leute ist und zu einem starken Rückgang der Verbreitung der Crest führte.

In den 1920er Jahren entsprechen die Crested nahezu den heutigen Standardanforderungen.

Wie bei vielen anderen Rassen auch, sorgten die Kriegswirren dafür, dass nur wenige Crest bei einigen Züchtern, hier zu nennen Len Franz, verblieben. Diese sorgten für das Überleben der Rasse und für deren Erhaltung bis in die heutige Zeit. Erst gegen Ende der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts tauchten wieder vereinzelt Crest auf deutschen Schauen auf und die Rasse erfreut sich seitdem wachsender Beliebtheit bei vielen Züchtern, sodass mittlerweile mehr gute Crest außerhalb Englands gezüchtet werden als in seinem Heimatland selbst.

Beschreibung der Rassemerkmale

Der Crest ist eine der wenigen englischen Positurkanarienrassen, die nicht nach ihrem Entstehungsort benannt ist. Mit einer Mindestgröße von 17 cm ist der Crest den großen, glattbefiederten Rassen zuzuordnen. Beim Crest wurde das wichtigste Rassemerkmal – die Crest (Krone/Haube) – zur Namensgebung herangezogen. Wie bei allen Haubenrassen unterscheiden wir den Haubenvogel – den Crested (Gehäubter) – und den Glattkopfvogel – den Crestbred (aus Haube gezüchtet). Beide Rassevertreter sind in jeweils eigenen Schauklassen zu den Ausstellungen zugelassen.

Die Merkmale des Crest
Die Merkmale des Crest

Die Haube des Crested weist im Idealfall die Größe einer 2 Euro-Münze auf (früher 5 Schilling-Münze). Hierbei fallen die Haubenfedern kreisrund wallend, aus einem sich aus der Kopfmitte liegenden möglichst kleinen Mittelpunkt, gleichmäßig zu allen Kopfseiten und bedecken die Schnabelspitze und die Augen teilweise, ohne den Vogel in der Sicht zu behindern.

Hierbei kann die Haubenform durchaus unterschiedlich sein. Zum einen sieht man häufig schirmförmige Hauben, die weit ausladend und sehr flach verlaufend fallen. Zum anderen sieht man aber auch die für die Zucht wesentlich wertvolleren hochgewölbten Hauben mit locker fallenden Haubenfedern (Glockenhauben).

Ein voller, breiter Nacken unterstützt beim Crest den geforderten nahtlosen Übergang der Haube in den Nackenbereich.

Der Glattkopfvogel hat eine für das Tragen einer Haube geeignete flache und breite Kopfform. Er hat lange, breite, weiche und wallenden Federn, die sichtbare Überaugenwülste bilden und die über dem Auge beginnend zum Hinterkopf hin verlaufen, den Vogel aber nicht in seiner Sicht behindern.

Rassetypisch sind die am Kopf und Haube zu findenden Fadenfedern, auch „Teufelshaare“ genannt.

Der Crest besitzt ein langes, weiches, wallendes Gefieder mit breiten und fülligen Einzelfedern. Besonderes Rassemerkmal sind die seitlich herabfallenden weiche Oberschwanzdeckfedern, die als Hahnenfedern bezeichnet werden.

Loses Gefieder im Unterbauchbereich kann in gewissen Grenzen toleriert werden. Unerwünschte Federwirbel und ungeordnet herabhängendes Gefieder sind fehlerhaft.

Der Schwanz ist schmal und proportional zum lang gestreckten Körper mit geringer Einkerbung.

Crested nichtintensiv
Crested nichtintensiv

Die Körperform kann durchaus als massig, jedoch trotzdem lang gestreckt und walzenartig wirkend bezeichnet werden. Der englische Spezialverein „Crested Canary Club“ beschreibt die Form des Crest in seinem Standard als vergleichbar mit der Form eines Dompfaffs.

Nur noch vereinzelt trifft man auf Rassevertreter mit unerwünscht kurzer, gedrungener Köperform an, deren Vorfahren eindeutig in Norwich-Nähe zu suchen sind. Gute Schauvögel sind in der Regel nur die Männchen, da die Weibchen häufig eine mehr gedrungene Körperform aufweisen (sekundäres Geschlechtsmerkmal). Nacken und Hals sind voll. Ein voller, breiter Nacken lässt den Übergang der Haube zum Rücken nahtlos wirken. Fehlerhaft sind Einschnürungen an Hals und Nacken. Auf der Unterseite beginnt die Körperwölbung erst im Bauchbereich.

Die Haltung des Crest soll leicht aufgerichtet sein, in einem Winkel von möglichst unter 45° zur Sitzstangenebene.

Der Crest hat kurze kräftige Läufe; die Unterschenkel sind nicht sichtbar.

Weitere Informationen zum Rassestandard finden Sie im aktuellen DKB-Positurkanarienstandard .

Der Crest auf Ausstellungen

Nachdem sich der Crest den Sommer über in einer geräumigen Flugvoliere vollständig entwickeln konnte und die Mauser gut überstanden hat, sollte man ihn rechtzeitig vor dem ersten Schautermin einzeln in eine Zuchtbox verbringen. Beschädigtes Großgefieder kann zu diesem Zeitpunkt noch problemlos entfernt werden. Es wird bis zur ersten Vogelschau wieder nachgewachsen sein. Auch können verlorene Deckfedern in Ruhe nachwachsen. Weiterhin sollte jeder Vogel zu diesem Zeitpunkt auch auf etwaigen Federling-bzw. Milbenbefall untersucht werden.

Crestbred weißgrundig

Der Crest ist ein sehr ruhiger Vogel. Er benötigt vor Vogelschauen so gut wie kein spezielles Schautraining. Es ist völlig ausreichend, wenn man ihn wenige Tage vor der ersten Vogelschau an den Schaukäfig gewöhnt. Mit einer Gemütsruhe und völlig gelassen präsentiert sich der Crest schon nach kurzer Zeit im Schaukäfig.

Als Standard-Schaukäfig ist der Wursterkäfig in Deutschland vorgesehen.

Bezüglich der Farbausprägung ist der Crest in allen Kanarienfarben inklusive der Schecken, außer rotgrundig, zugelassen.

Haltung und Zucht des Crest

Außerhalb der Zuchtzeit ist der Crest durchaus zur Haltung in geräumigen Flugvolieren geeignet und es lässt sich zweifelsohne eine positive Auswirkung auf seine Entwicklung, insbesondere auf seine Brustmuskulatur feststellen. Hierbei ist der Crest ein eher unauffälliger und zeitweise gemütlich wirkender Volierenbewohner.

Vor dem Zuchtbeginn sollte eine Kürzung des Gefieders oberhalb der Augen erfolgen, um die Sicht der Elternvögel zu verbessern. Weiterhin sollte rund um die Kloake das füllige Gefieder eingekürzt werden, um die Befruchtungsrate zu erhöhen. Allerdings dürfen die Tastfedern rund um den Kloakenrand nicht gekürzt oder gar entfernt werden. Diese benötigen die Vögel, um den Tretakt „treffsicher“ ausführen zu können.

Zur Zucht sollte der Crest paarweise in großzügig bemessene Zuchtboxen, mit einer Mindestlänge von 80 cm und eine Breite und Höhe von je mindestens 50 cm haben. Die Käfigausstattung unterscheidet sich nicht von denen anderer Kanarienrassen. Der Crest kann mit einer Sprühflasche mit Wasser angesprüht werden, um ihn zur Gefiederpflege zu animieren. Badegelegenheiten sollten nur sporadisch angeboten werden.

Wie bei allen Haubenrassen verpaart man auch beim Crest grundsätzlich Haubenvogel x Glattkopfvogel, wobei es keinen Unterscheid macht, ob der Hahn oder die Henne der Haubenvogel ist.

Crestbred aufgehellt Weiß

Besonderes Augenmerk sollte allerdings auf die Gefiederqualität gelegt werden. Wenn sie auch selten gute Schauvögel sind, so sollten jedoch bevorzugt intensivere Vögel mit gutem, enganliegenden Gefieder mit hierzu passenden Partnern zur Zucht angesetzt werden, um die Gefiederqualität zu steigern (ausgleichend verpaaren – Federlänge beachten).

Wie bei allen großen Rassen ist es auch beim Crest von Vorteil, wenn die Zuchtvögel nicht zu jung und nicht zu früh zur Zucht angesetzt werden. Die häufig dem Crest als erforderlich unterstellte Ammenzucht ist nicht (immer) notwendig. Völlig eigenständig und zuverlässig ziehen Crest zumeist ihre Jungvögel groß. Hierbei ist es von Vorteil, wenn sich mehr als nur ein Junges im Nest befindet, denn offensichtlich spornen sich mehrere Jungvögel gegenseitig zum Sperren an. Besonderes Augenmerk sollte jedoch auf den Zeitpunkt des Absetzens gelegt werden. Mit etwa 33 – 35 Tagen werden junge Crest erst sehr spät von ihren Eltern getrennt. Sie bleiben, wie die Jungen der meisten großen Rassen, länger bei ihren Eltern als die Jungvögel kleinerer Rassen oder Farbenkanarien.

Zur Vermeidung etwaiger Kotbeschmutzungen des Gefieders im Kloakenbereich sollte das Ruhefutter nach der Mauser überwiegend kohlehydrathaltig sein. Überhaupt muss darauf geachtet werden, dass ein höherer Anteil an mehlhaltigen Sämereien verfüttert wird als für andere Rassen oder Farbenkanarien üblich. Ein zu hoher Anteil an ölhaltigen Sämereien fördert die Neigung zur Verfettung und zeigt einen negativen Einfluss auf das seidige Gefieder. Auch ist die Fütterung eines guten Konditionsfutter (ca. 2-mal wöchentlich) zur Steigerung der Kondition des Crest sinnvoll.

Junge Crest in der Voliere

Zusätzlich sollte Leinsamen und/oder Leindottersamen separat angeboten werden. Diese Saaten begünstigen den Federaufbau durch ihren Gehalt an Aminosäuren und Omega-3-Fettsäuren. Weiterhin zeigen Sie durch ihren Gehalt an Schleimstoffen positive Auswirkungen auf den Verdauungstrakt.

Grünfutter bereitet den Crest keinerlei Schwierigkeiten. Wie bei allen Kanarienrassen sollte auf die Gabe von Multivitaminpräparaten das ganze Jahr über nicht verzichtet werden. Vitaminpräparate sind täglich frisch zuzubereiten, da diese bereits nach kurzer Zeit eine toxische Wirkung entwickeln.

Text: Thomas Müller und Uwe Feiter. Überarbeit von Norbert Schramm.

Fachgruppe im DKB

Für den Crest ist im Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund e.V. die Fachgruppe der Farben- und Positurkanarien zuständig.

Im Bereich der Sachkunde findet man Erstinformationen zur Kanarienhaltung.

Fragen zum Crest

Wir haben auf dieser Seite das Wichtigste zum Crest aufgeführt. Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie uns gern.

Quellen und Literatur

Positurkanarienstandard des Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund e.V. (Stand 2020), Loseblattsammlung.

Claßen, H., Kolter, W.: Die Positurkanarien. Eigenverlag Rheinmünster, 2005.

Müller, T., Feiter, U.: Faszination Positurkanarien – eine Leidenschaft für`s Leben. Palm Druck & Verlag, Baesweiler, 2013.

Schramm, N: Kompendium-Kanarien, Band 3, Positurkanarien aus aller Welt. Books on Demand, Norderstedt, 2022.

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