Lizard silver clear-cap
Lizard silver clear-cap

Kurzbeschreibung des Lizard

Der Lizard ist ein Zeichnungskanarienvogel aus England, der sich mit seiner hellen Kopfplatte und seinem Schuppenmuster deutlich von anderen Kanarienvögeln unterscheidet. Er ist als gelb-, rot- oder weißgrundiger Vogel zugelassen.

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte der Lizard Kanarien

Unter allen existierenden Kanarienrassen ist der Lizard ein Unikat mit Sonderstellung. Er war, nach dem Aussterben des London Fancy Anfang des 20. Jahrhunderts, die einzige Zeichnungskanarienrasse und wurde deshalb den Positurkanarien zugeordnet.

Leider sind zu seiner frühen Geschichte nur wenige Informationen überliefert. Vielfach wird der Lizard mit der Verfolgung und der Flucht der Hugenotten (calvinistische Protestanten im vorrevolutionären Frankreich) in Verbindung gebracht. Unter Ludwig XIV. flüchteten 1685 ca. 250.000 Hugenotten in die umliegenden protestantischen Länder. Nach Meinung vieler Autoren sollen diese Flüchtenden den Lizard mit nach England gebracht haben.

In Hervieux´s Buch „Traité des Serins de Canarie“ aus dem Jahre 1713 sind bereits 21 verschiedene Kanarienvarietäten, zumeist Farbvarietäten, aufgelistet. Ein eindeutiger Hinweis auf den Lizard ist, wie von einigen Autoren behauptet, in diesem Buch allerdings nicht zu finden. Auch in der uns vorliegenden Originalausgabe von Hervieux´s Buch „Unterricht von den verschiedenen Arten der Canarienvögel und der Nachtigallen“ aus dem Jahre 1789 kann ebenfalls noch kein Hinweis auf einen Lizard bzw. einen Kanarienvogel mit geschupptem Federkleid gefunden werden. Allerdings berichtet G. T. Dodwell in seinem Buch „The Lizard Canary and other rare breeds“ über eine Beschreibung in dem Buch „The Bird Fancier´s Necessary Companion“ aus dem Jahre 1762, die schon recht treffend einen Lizard beschreibt: „Die fein geschuppte Sorte, … die einige Jahre zuvor von Frankreich herübergebracht worden ist, durch englische Züchter allerdings in Farbe und Schönheit sehr verbessert wurde.

Daher scheinen Zweifel angebracht, die Entstehungsgeschichte des Lizard mit dem Schicksal der Hugenotten in Verbindung zu bringen. Allerdings dürfte zumindest die Annahme richtig sein, dass der Lizard aus Frankreich nach England gebracht wurde. Hier wurde er dann regional, bevorzugt in den Gegenden um Nottingham, Middlesbrough, Norwich und London, zum Zeichnungskanarien wie wir ihn heute kennen, kultiviert.

Recht passend bemerkt Claude St. John in seinem 1911 erschienenen Buch „Our Canaries“ zur Entstehungsgeschichte des Lizard: “Es ist müßig über die frühe Geschichte des Lizard zu spekulieren, kann sie doch nicht abschließend bewiesen werden“.

Lizard Blakston 1887
Lizard-Kanarien um 1887. Oben ein Gold-Lizard-Männchen, rechts ein Silver-Lizard-Männchen, unten ein Silver-Lizard-Weibchen Lizard (Blakston 1887)

Es kann allerdings festgehalten werden, dass der Lizard eine lokale Rasse war, die nur in begrenzten Stückzahlen gezüchtet wurde. Dies liegt sicherlich daran, dass der Lizard nur ein Schauvogel für eine Saison ist und nur in seinem Geburtsjahr ausgestellt werden kann. Mausert der Lizard nach der Jugendmauser ein weiteres Mal, tritt eine zunehmende Verschilfung des Gefieders auf, die den Schauwert des Vogels zunichtemacht.

Rettung vor dem Aussterben

Während des ersten Weltkrieges drohte der Lizard auszusterben. Obwohl zu dieser Zeit nur eine geringe Anzahl Lizards bei wenigen Züchter verblieben war, gelang es den Fortbestand dieser alten Rasse zu sichern. Leider dezimierten die Wirren des zweiten Weltkriegs den Bestand der Lizards dann ein zweites Mal.

Die im Jahre 1945 von Robert H. Yates aus Wolverhampton gegründete „Lizard Canary Association“ setzte sich das Ziel, aus der abermals noch verbliebenen geringen Anzahl an Lizards erneut das Überleben der Rasse zu sichern. Alle bekannten Züchter wurden kontaktiert, um den Bestand in den verbliebenen Zuchten zu erfassen. Diese Bestandserhebung ergab, dass nur noch ca. 30 zuchtfähige Paare mit ausreichenden Rassemerkmale existierten. Auch die Recherche auf dem Kontinent nach weiteren Exemplaren verlief negativ.

Eine durchdachte Zuchtstrategie mit dem noch verbliebenen Kernstamm brachte recht schnell gute Zuchterfolge. Außerdem duften in den ersten beiden Zuchtjahren nur Lizard an Mitglieder der „Lizard Canary Association“ abgegeben werden. So konnte die Bestandskrise zügig überwunden werden und es konnten bereits 1948 Zuchtpaare an weitere interessierte Züchter abgegeben werden, die nicht zuletzt durch die Veröffentlichungen in der englischen Zeitschrift „Cage and Aviary Birds“ bezüglich der Bemühungen der „Lizard Canary Association“ auf den Lizard aufmerksam geworden waren. Rasant gewann der Lizard an Beliebtheit und bereits fünf Jahre nach Gründung konnte die Vereinigung 50 Mitglieder zählen.

Lizard clear cap gold
Lizard gold clear-cap

Heute ist der Lizard eine beliebte Rasse, deren Liebhaber nicht nur über die gesamten britischen Inseln verteilt zu finden sind. Auch in Kontinentaleuropa und auf der gesamten Welt hat der Lizard viele Anhänger. Auch die deutschen Lizard-Züchter haben sich im Spezialclub Internationale Lizard Freunde (I.L.F.) zusammengeschlossen.

Die Qualität der heute auf den Schauen zu sehenden Lizard ist auf erfreulich hohem Stand, zu dem sicherlich auch die Spezialclubs auf der ganzen Welt und der rege Erfahrungsaustausch untereinander ihren Beitrag geleistet haben.

Die Rassemerkmale der Lizard Kanarien

Beim Lizard handelt es sich um eine kleine, glattbefiederte Kanarienrasse aus England, die unter den Positurkanarien eine Sonderstellung einnimmt. Der Lizard darf nicht größer als 13,5 cm groß sein. Gegenüber den Farbenkanarien ist der Lizard etwas breiter im Rücken und in der Brust. Hierdurch wirkt das Hauptrassemerkmal, die charakteristische Gefiederschuppung, noch gefälliger und prägnanter.

Federzeichnung des Lizard
So entsteht die typische Schuppenzeichnung des Lizard. Der rote Pfeil deutet auf eine "verschilfte" Feder. (Grafik: Thomas Müller)

Die Schuppung entsteht, indem die typischen Melaninstreifen des Schwarzvogels (dunkles Flächenmelanin und schwarzes Zeichnungsmelanin), mit tropfenförmig zur Federspitze hin eingelagertem Zeichnungsmelanin, durch eine melaninfreie, sichelförmige Federsäumung unterbrochen wird. Hierdurch entsteht der Eindruck einer Schuppung, die an die Schuppen einer Eidechse (engl. lizard, franz. lézard) erinnert.

Man unterscheidet in erster Linie die Rückenzeichnung („spangles“, abgeleitet von Flitterplättchen oder „Pailletten“) und die Brustzeichnung („rowings“ – abgeleitet von „rows“ = Reihen), aber auch die Flanken und die Flügeldeckfedern weisen die charakteristische Schuppung auf.

Das Großgefieder ist schwarz mit möglichst geringer Säumung in der Lipochromfarbe.

Merkmale des Lizard
Die Merkmale des Lizard

Farblich ist der Lizard der Schwarzreihe zuzuordnen und darf auch nur als Schwarzvogel in den Grundfarben Gelb, Rot und Weiß, sowohl als intensiver Vogel (Gold Lizard) als auch als nichtintensiver Vogel (Silver Lizard), ausgestellt werden.

Die gelbe oder rote Lipochromfarbe bzw. die weiße Grundfarbe muss im gesamten Gefieder gleichmäßig ausgebildet sein. Weißgrundige Lizard werden oft als „blaue“ Lizard (Blue Lizard) bezeichnet

Roter Lizard
Lizard red non-cap

Erblich rote Lizard, die durch Einkreuzung roter Farbekanarien entstanden, sind im Mutterland sehr verpönt, da damit der Genpool der Lizard verändert wird. Allerdings dürfen in Großbritannien Lizards mit rotem Farbstoffen gefüttert werden, sodass die Vögel eine kupferfarbenes Grundfarbe bekommen.

Die Hornteile sind möglichst schwarz.

Lizard Kappenformen
Auswahl möglicher Kappenformen des Lizard (Grafik: Thomas Müller)

Als weiteres charakteristische Rassemerkmal ist die Kappe („cap“) aufzuführen. Diese ist eine auf dem Kopf fixierte Aufhellung (Scheckung) unterschiedlicher Ausprägung, die durch den Augenstreifen („eyelash“, abgeleitet von „Wimper“) begrenzt wird. Alle Unterbrechungen der Kappe müssen ebenfalls die markante Schuppung erkennen lassen.

Weitere Erläuterungen finden Sie im aktuellen Standard für Positurkanarien.

Lizard Kappengrenze
Kappenbegrenzungslinie und Augenstreifen (eyelash)

Der Lizard-Kanarienvogel auf Ausstellungen

Im Jugendgefieder unterscheidet sich der Lizard hauptsächlich durch die Kappe von den Farbenkanarien der Schwarzreihe. Erst nach der Jugendmauser zeigt das Gefieder die geforderte deutliche und gleichmäßige Schuppung. Mausert der Lizard ein weiteres Mal, oder wachsen nach der Jugendmauser bei kleineren Streitigkeiten verlorene Federn erneut nach, zeigen diese die bereits beschriebenen unerwünschten Verschilfungen und der Vogel verliert seinen eigentlichen Schauwert. Die Verschilfung stellt zwar keinen Ausschlussgrund dar, gilt jedoch als grober Fehler.

Jeder Lizardzüchter kennt dieses Problem und es ist insbesondere auf die Haltung der Schauvögel nach der Jugendmauser achtzugeben. So empfiehlt es sich z. B. Vorkehrungen zu treffen, die ein gegenseitiges Gefiederrupfen vermeiden. Große, weiträumige Volieren sowie Konstruktionen, die das Nebeneinandersitzen mehrerer Vögel verhindern, sind hier als Mindestanforderung für die Unterbringung der Jungvögel zu nennen. Im Idealfall werden die Erfolg versprechenden Nachzuchten bereits kurz vor der Jugendmauser einzeln gesetzt.

Es reicht aus, den Lizard erst wenige Wochen vor dem ersten Schautermin an den Schaukäfig zu gewöhnen. Zu diesem Zeitpunkt sollte jeder Vogel auf etwaigen Federling- bzw. Milbenbefall untersucht werden. Spätestens jetzt sollte überprüft werden, ob der Vogel keine Aufhellungen am Schnabel oder an den Beinen zeigt, bzw. keine helle(n) Kralle(n) hat.

Haltung und Zucht des Lizard

An die Fütterung stellt der Lizard keine besonders zu beachtenden Ansprüche. Er sollte, wie andere kleine Kanarienrassen, außerhalb der Brutzeit in geräumigen Flugkäfigen und Volieren gehalten werden.

Die Zucht erfolgt idealerweise in Einzelboxen mit einer Mindestgröße von 50 cm Breite, 40 cm Höhe und 40 cm Tiefe als Paarhecke. Besonderen Wert sollte auf gute Elterneigenschaften gelegt werden. Rupfende Eltern zerstören bereits im Zuchtraum den Schauwert der Jungen und müssen konsequent aus der Zucht entfernt werden.

Wichtiges Kriterium für die Auswahl der Zuchttiere ist neben einer guten Schuppenzeichnung die Form der Kappe. Da es sich bei der Kappe um eine Scheckung handelt, sollte man nie zwei clear caps miteinander verpaaren. Die Kappen der Nachzuchten würden sich unerwünscht weit ausdehnen und die Jungvögel für Schauen und als Zuchtvögel wertlos machen.

Auch in Bezug auf die Kappe ist das Mittel der Wahl die ausgleichende Verpaarung. Es empfiehlt sich, einen Vogel mit perfekter Kappe mit einem fast kappenlosen Vogel zu verpaaren. Auch die Verpaarung zweier Vögel mit gebrochener Kappe kann durchaus gute Kappenformen entstehen lassen.

Lizards weißgrundig
Lizard blue. Die weißgrundigen Lizards werden oft als "blaue Lizard“ bezeichnet

Die sogenannten „blauen Lizards“ besitzen meist eine dominantweiße Grundfarbe. Deshalb sollten nie zwei dieser Vögel miteinander verpaart werden, da ansonsten ein Viertel der Jungvögel bereits im Ei abstirbt (Letalfaktor).

Weiterhin empfiehlt es sich grundsätzlich intensiv mit nichtintensiv zu verpaaren. Durch diese Verpaarung kann loses Gefieder vermieden werden, wodurch die Schuppung eine unruhige Anordnung erhält.

Auch vermeidet man so zu schmale Vögel, die auf Grund des schmalen Rückens und der schmalen Brust die Schuppenreihen ineinanderschieben und die charakteristische Gefiederschuppung nur erahnen lassen.

Text: Thomas Müller, Uwe Feiter – aktualisiert durch Norbert Schramm

Fachgruppe im DKB

Für den Lizard ist im Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund e.V. die Fachgruppe der Farben- und Positurkanarien zuständig. Auch der Spezialclub Internationale Lizardfreunde betreut die Züchter des Lizard.

Im Bereich der Sachkunde findet man Erstinformationen zur Kanarienhaltung.

Fragen zum Lizard

Fragen zum Lizard haben wir in Unterartikeln aufgelistet und hier aufgeführt. Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie uns gern.

Quellen und Literaturangaben

The Lizard Canary Association. Unter: https://lizardcanaryassociation.com/home/

Huw Evans. Fine spangle sort. Umfangreiche englische Homepage über den Lizard und den London Fancy. Unter: https://finespangledsort.com/

Spezialclub „Internationale Lizardfreunde (ILF)“. Unter: http://www.ilf-lizardfreunde.de/

Positurkanarienstandard des Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbundes e.V. (Stand 2020), Loseblattsammlung

H. Claßen, W. Kolter: Die Positurkanarien. Eigenverlag Rheinmünster, 2005.

T. Müller, U. Feiter: Faszination Positurkanarien – eine Leidenschaft für’s Leben. Palm Druck & Verlag, Baesweiler, 2013.

N. Schramm: Kompendium-Kanarien, Band 3, Positurkanarien aus aller Welt. Books on Demand, Norderstedt, 2022.

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